[00:01.750]“An den Aether”[00:04.386]Treu und freundlich, wie du, erzog der Götter und Menschen[00:09.394]Keiner, o Vater Aether! mich auf; noch ehe die Mutter[00:15.692]In die Arme mich nahm und ihre Brüste mich tränkten,[00:19.431]Faßtest du zärtlich mich an und gossest himmlischen Trank mir,[00:25.856]Mir den heiligen Othem zuerst in den keimenden Busen.[00:31.369]Nicht von irdischer Kost gedeihen einzig die Wesen,[00:36.638]Aber du nährst sie all' mit deinem Nektar, o Vater![00:41.811]Und es drängt sich und rinnt aus deiner ewigen Fülle[00:46.192]Die beseelende Luft durch alle Röhren des Lebens.[00:50.951]Darum lieben die Wesen dich auch und ringen und streben[00:56.049]Unaufhörlich hinauf nach dir in freudigem Wachstum.[01:02.416]Himmlischer! sucht nicht dich mit ihren Augen die Pflanze,[01:08.534]Streckt nach dir die schüchternen Arme der niedrige Strauch nicht?[01:13.263]Daß er dich finde, zerbricht der gefangene Same die Hülse,[01:17.546]Daß er belebt von dir in deiner Welle sich bade,[01:22.357]Schüttelt der Wald den Schnee wie ein überlästig Gewand ab.[01:28.258]Auch die Fische kommen herauf und hüpfen verlangend[01:32.824]Über die glänzende Fläche des Stroms, als begehrten auch diese[01:36.458]Aus der Wiege zu dir; auch den edeln Tieren der Erde[01:40.714]Wird zum Fluge der Schritt, wenn oft das gewaltige Sehnen,[01:45.109]Die geheime Liebe zu dir, sie ergreift, sie hinaufzieht.[01:51.468]Stolz verachtet den Boden das Roß, wie gebogener Stahl strebt[01:55.811]In die Höhe sein Hals, mit der Hufe berührt es den Sand kaum.[02:00.219]Wie zum Scherze, berührt der Fuß der Hirsche den Grashalm,[02:04.510]Hüpft, wie ein Zephyr, über den Bach, der reißend hinabschäumt,[02:09.007]Hin und wieder und schweift kaum sichtbar durch die Gebüsche.[02:14.538]Aber des Aethers Lieblinge, sie, die glücklichen Vögel,[02:21.382]Wohnen und spielen vergnügt in der ewigen Halle des Vaters![02:24.908]Raums genug ist für alle. Der Pfad ist keinem bezeichnet,[02:31.626]Und es regen sich frei im Hause die Großen und Kleinen.[02:35.709]Über dem Haupte frohlocken sie mir und es sehnt sich auch mein Herz[02:42.027]Wunderbar zu ihnen hinauf; wie die freundliche Heimat[02:47.275]Winkt es von oben herab und auf die Gipfel der Alpen[02:51.652]Möcht' ich wandern und rufen von da dem eilenden Adler,[02:55.241]Daß er, wie einst in die Arme des Zeus den seligen Knaben,[03:00.334]Aus der Gefangenschaft in des Aethers Halle mich trage.[03:08.425]Töricht treiben wir uns umher; wie die irrende Rebe,[03:14.398]Wenn ihr der Stab gebricht, woran zum Himmel sie aufwächst,[03:18.932]Breiten wir über dem Boden uns aus und suchen und wandern[03:24.361]Durch die Zonen der Erd', o Vater Aether! vergebens,[03:30.560]Denn es treibt uns die Lust, in deinen Gärten zu wohnen.[03:36.826]In die Meersflut werfen wir uns, in den freieren Ebnen[03:41.890]Uns zu sättigen, und es umspielt die unendliche Woge[03:46.245]Unsern Kiel, es freut sich das Herz an den Kräften des Meergotts.[03:53.088]Dennoch genügt ihm nicht; denn der tiefere Ozean reizt uns,[04:02.567]Wo die leichtere Welle sich regt — o wer dort an jene[04:09.609]Goldnen Küsten das wandernde Schiff zu treiben vermöchte![04:16.417]Aber indes ich hinauf in die dämmernde Ferne mich sehne,[04:23.605]Wo du fremde Gestad' umfängst mit der bläulichen Woge,[04:27.204]Kömmst du säuselnd herab von des Fruchtbaums blühenden Wipfeln,[04:34.792]Vater Aether! und sänftigest selbst das strebende Herz mir,[04:42.275]Und ich lebe nun gern, wie zuvor, mit den Blumen der Erde.